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  Ganymed - Taschenuhren
  Reparaturtips
 
 Hallo, liebe Sammlerfreunde,

spätestens nach dem Erwerb der dritten etwas defekten Uhr und dem Besuch bei einem Uhrmacher zwecks Reparatur, die unter 50.- Euro nicht zu haben ist, kommt zwangsläufig die Überlegung, selbst Hand anzulegen. Natürlich wird man das nicht tun bei Uhren, deren Wert im vierstelligen Bereich liegt. Und wer Luxusexemplare sammelt, hat auch das Geld für den Uhrmacher.

Also selbst ist der Mann, und die Beschäftigung mit alten Taschenuhren macht erst dann richtig Freude, wenn man nach Tagen oder Wochen das Exemplar zum Leben erweckt hat.

Klar ist, dass technisches Verständnis, handwerkliche Fähigkeiten, eine ruhige Hand und
eine Mindestausstattung an feinmechanischen Werkzeugen Voraussetzung für das Gelingen kleiner Eingriffe sind. Was man braucht, lehrt die Praxis, und manches Werkzeug oder Hilfsmittel wird sogar selbst angefertigt.

Nachfolgend möchte ich einige Tips geben, die sich in meiner Arbeit als Laie bewährt haben.
 
 
 

Arbeitsplatz
Sicher wird sich niemand einen perfekten Uhrmacherwerktisch einrichten wollen.
Ein sicherer und fester Standort, vor Zugriffen gesichert, tut es auch, wenn man bei einer längeren Pause mal etwas liegen lassen will.
Wichtig ist: Genügend Beleuchtung und eine gute Unterlage! Uhrmacher werden jetzt aufschreien, aber ich arbeite gern mit einem weissen, fusselfreien Leinentuch als Unterlage. Schrauben und andere Kleinteile, die einem Laien schon mal aus der Pinzette springen, prallen nicht so leicht ab, rollen nicht weg und verschwinden im Nichts.
Und: Vor Arbeitsbeginn immer genügend kleine Dosen oder andere Behältnisse für die Aufnahme von Kleinteilen
bereitstellen, das hilft, sie später wieder am richtigen Ort zu montieren! Für den Anfänger bewährt sich auch
Bleistift und Papier für eine eventuelle Skizze als Orientierungshilfe.
Ohne Lupe geht nichts
 
Gute Augen sind ein Geschenk, eine Brille schafft Abhilfe, aber ohne Lupe geht bei der Durchsicht oder Reparatur von Uhren nichts. Aber: Das Glas im Auge, wie bei Uhrmachern üblich, will bei mir nicht gehen, es hält einfach nicht und wenn doch, kann ich mich nicht auf das konzentrieren, was ich sehen will. So wird es manchem sicher auch gehen.
Deshalb anbei die Hilfen, mit denen ich arbeite, mit Erfolg!






Lupe, die auf das Brillengestell geklemmt wird,
beim Optiker erhältlich



Grosse Lupe mit Beleuchtung,
unter der man sehr gut mit beiden Händen arbeiten kann

Erste Inspektion

Eine "neue" alte Uhr ist angekommen. Ehe geschraubt wird, ist sehen und hören angesagt. Ich gehe dabei wir folgt vor:
Zuerst der Uhr ins Gesicht schauen - wie sieht das Zifferblatt aus? Sprünge, Ausplatzer oder alles OK? Wenn nicht, schade, denn ein Zifferblatt zu restaurieren ist schwierig und nie ganz zu schaffen. Dazu später.
Ein Blick auf die Zeiger, ein Stellversuch - um 10 Minuten nach 10 Uhr lacht die Uhr!
Dann das Gehäuse: alles OK, schliessen alle Deckel und die Lünette, gibt es Beulen - leider sehr oft. Das kann man richten!
Das Öffnen des Gehäuses:
Bereits hier werden oft die ersten Fehler durch unsachgemässes herangehen und falsches Werkzeug gemacht!
Zunächst: es gibt im Wesentlichen drei Gehäuseformen:
- Das übliche "Normalgehäuse" mit Klappmechanismus,
- Das Schraubgehäuse (vorwiegend amerikanische Uhren)
- Das Konsulargehäuse (franz. und englische Uhren)

Das Normalgehäuse
wird mit einem Spezialmesser an der dafür vorgesehenen Aussparung geöffnet, so auch am Staubdeckel.


 


 
Wird ein falsches Werkzeug benutzt, kommt es unweigerlich zu den auch hier zu sehenden unschönen Kratzern, die man kaum wieder wegbekommt.


Ich habe mir dafür ein Stück Kupferblech zurechtgeschnitten, welches durch die geringe Härte kaum Kratzer verursacht, dafür aber öfter nachgeschliffen werden muss.

Das Schraubgehäuse
wird am hinteren Deckel und an der Lünette abgeschraubt.







 
Das Konsulargehäuse
wird zunächst an der Lünette geöffnet, Dann wird über eine Verriegelung das Werk nach oben herausgeklappt.









 
Nun ein Blick auf das Werk, hier schon einmal die Lupe benutzen! Schwingt die Unruh, steht sie schräg, wie sieht die Unruhspirale aus? Ein Aufziehversuch: ist voll aufgezogen, rutscht die Feder oder ist sie gebrochen? Wie ist der Gesamteindruck - schmutzig, verölt, korrodiert?
Alle Mängel fein notiert? Dann kann die " Demontage " beginnen!

Das Werk ausbauen
Thema Schraubendreher: Nie in Bequemlichkeit verfallen und immer die Klingenbreite der jeweiligen Schraube benutzen! Sie bleibt nur so unbeschädigt und ein Abrutschen wird vermieden!

Es ist immer richtig, zunächst die Lünette zu öffnen und die Zeiger zu entfernen, sie sind oft sehr fein und schnell weggebrochen! Dazu gibt es einen Zeigerabheber, ich habe mir dazu in eine Seite einer Flachpinzette eine Aussparung in Breite des Stundenrohres gefrässt. Damit kann man gut unter die Zeiger fahren, die andere Pinzettenseite hält dabei den Zeiger fest, sie lassen sich so gut lösen.
Vorsicht beim Sekundenzeiger!!  Wenn er sich nicht leicht lösen lässt, lieber einen Tropfen Öl auf die Zeigerwelle und über Nacht stehen lassen! Es passiert sehr schnell, dass der Zapfen des Sekundenrades wegbricht, dann wird es kompliziert.
Zeiger locker?
Kein Problem! Habe dazu in einen Metallklotz verschiedene halbkugelförmige Fräsungen eingebracht,
darauf lässt sich der Stundenzeiger mit der Manschette nach unten auflegen und mit einem leichten Hammerschlag
etwas verengen.
Der Minutenzeiger kann  mit einem Dreickpunzen von unten leicht angeschlagen und so verengt werden .
Nächster Schritt: Das Federwerk abspannen.

 
Dazu hält die rechte Hand die Krone, mit der linken Hand und einem kleinen Schraubenzieher drückt man das Gesperr
(s.Foto) aus der Zahnung des Federhausrades und lässt die Krone langsam und vorsichtig zurückgleiten, bis die Feder abgespannt ist.
Zum Herausnehmen des Werkes werden die Werkbefestigungsschrauben gelöst, meist sind es zwei, hier nur eine.
Dann wird die Kronensicherungsschraube nur soweit gelöst, dass sich die Krone mühelos herausziehen lässt.
Nicht zu weit herausdrehen, da es sonst passieren kann, dass der auf der Gegenseite gelegene Winkelhebel und weiter
Teile herausfallen!
Dann wird die Lünette geöffnet und das Werk vorsichtig nach vorn herausgedrückt. Danach befestige ich die Krone
zunächst wieder, um eben das Herausfallen der Kupplungsteile zu verhindern!
Um die Unruh und vor allem den Zapfen der Sekundenwelle zu schützen, lege ich das Werk auf einen passenden Metallring, den man sich aus dünnem Messingblech leicht selbst herstellen kann.(s.Foto)


Also das Werk jetzt erst einmal zur Seite legen und das
Gehäuse ansehen.

Die meisten Verbeulungen finden sich naturgemäss am Rand, sie sind oft sehr heftig, lassen sich dort aber am leichtesten beseitigen. Ich habe mir dazu aus einem 3 mm starken Stück Bandstahl folgendes Hilfsinstrument gebaut:

Damit kann man senkrecht in den Gehäusering eingreifen und die Beulen herausdrücken. Wichtig ist, eine entsprechende Hartholzunterlage zu wählen und die Rückdeckel zu schliessen, um ein eventuelle Verziehen des Gehäuseringes zu vermeiden. Also nur von vorn bei aufgeklappter Lünette arbeiten !
Mit dem gleichen Teil lassen sich auch Beulen aus dem Rückdeckel entfernen, aber VORSICHT !
Bei den Taschenuhren etwa bis 1920 ist dieser nicht aus einem Stück gefertigt sondern besteht aus einem Rand und einem sehr fein eingefalzten Mittelteil, was aber gut mit blossem Auge zu erkennen ist.
Bei unsachgemässer Auflage ist dieses Teil sehr schnell herausgedrückt und kaum wieder hinein zu bekommen.
mit einem Silbertuch nachpolieren, bei starken Kratzern , aber nur bei Massivgehäusen, hilft eine Politur mit der Maschine.
Hier ein Beispiel
:





Schwieriger wird es, wenn Scharnierteile ausgerissen sind.
Dann braucht man ein neues Rohr. Man kann es beim Juwelier kaufen, habe aber auch schon eine kleine Silberkreole
zerschnitten und daraus das erforderliche Rohrstück gefertigt. Dann einlöten: Benutze ein kleines Handlötgerät auf Butangasbasis, es erreicht etwa 1300 Grad C. Und etwas Silberlot, auch das erhält man beim Juwelier.
Wichtig ist ganz genaues Arbeiten,  die Deckel sollen ja wieder schliessen.
Zum Reinigen des intakten Gehäuses habe ich schon viel ausprobiert, am Besten eignet sich nach meiner Erfahrung immer noch ein handelsübliches Gold- oder Silberbad und eine Zahnbürste.
Anschliessend

Zifferblatt entfernen.
Dazu werden vorsichtig die beiden Klemmschrauben, die das Zifferblatt halten, soweit gelöst, dass die Füsschen des Zifferblattes freigegeben werden. (s.Bild.o.) Bei manchen Werken ist das Zifferblatt auch durch zwei oder drei Schrauben seitlich am Werk befestigt
.

 

 
Auf keinen Fall die Haltefüsse verbiegen!
Es kommt sofort zu
Ausplatzungen auf dem Zifferblatt!
Schon vorhand
ene Ausplatzer oder Risse lassen sich recht gut mit weissem Emaillelack ausbessern, den ich in mehreren Schritten auftrage, schleife und gegebenenfalls etwas poliere.
Ein Makel bleibt aber immer am Zifferblatt!
Zifferblatt reinigen:
Grundsätzlich zuerst mit klarem Wasser versuchen! Bei zweifarbigen Zifferblättern, vor allem bei Zylinderuhren, lösen sich die im Mittelteil eingefärbten Flächen und Zahlen bei Einsatz von alkoholhaltigen Mitteln sofort ab!!
Ein altes Hausmittel: mit angeschnittener roher Kartoffel abreiben.

Füsse ersetzen:
Das Ersetzen fehlender oder defekter Füsse am Zifferblatt erfordert viel Mühe und Aufmerksamket,
da die Emaille auf den Zifferblättern unter Spannung steht und es leicht zu ungewollten Splitterungen kommt.
Die Ersatzfüsse fertigt man aus einem passenden Stück Kupfer- oder Messindraht, der an einem Ende etwas aufgestaucht wird. Soll das Füsschen eine Bohrung zum Aufsplinten erhalten, lässt sich diese besser vor dem Stauchen auf dem Drehstuhl anbringen
.
 

 
Wichtig ist die richtige Platzierung auf dem Zifferblatt.
Dazu eignet sich ein feines Putzholz oder ein Zahnstocher, dessen Spitze mit Tinte getränkt ist und durch die Öffnung der Platine auf das Zifferblatt gedrückt wird.
An dieser Stelle wird nun die Emaille oder Lötreste mit einem Diamantfräser bis auf den Kupfergrund abgefräst
.




Diese Stelle und der Fuss werden dann verzinnt. Dazu spanne ich das Zifferblatt mit einer Papierdämmung in einen Kloben und erwärme es vorsichtig und gleichmässig. Nur leicht fliessende Lötzinn, das bereits ein Flussmittel enthält verwenden !
Das dann aufzulötende Füsschen fixiert man am besten mit einer aufgespannten alten Uhrfeder.
Mit einem Lötkolben ist das allerdings nicht zu machen, bewährt hat sich ein kleines Handschweiss- und Lötgerät auf Gasbasis
.




 Für nicht so Mutige empfiehlt es sich, die Füsse auf die erforderliche Stelle mit einem
Zwei-Komponentenkleber, (Flüssigmetall) aufzuzsetzen. Hält ebenso gut, wird glashart und die Klebestelle lässt sich nachträglich noch bearbeiten. Man vermeidet auf jeden Fall das Springen der Eamille
 durch falsches Erwärmen.



 

Federhaus und Feder ausbauen

 
Es reicht aus, das Federwerkrad und die drei Schrauben der Federhausbrücke (s.Foto o.) zu lösen.
Die Federhausbrücke lässt sich dann leicht hochhebeln und das Federwerk kann herausgenommen werden.
Anschliessend den Deckel des Federhauses mit einem kleinen Schraubenzieher anheben, nun kann die Feder entfernt werden.
Es bewährt sich, dabei das Federhaus in die fast geschlossene Hand zu nehmen und die Feder mit einer Pinzette von der Mitte aus herauszuziehen und so zu verhindern, dass sie eine unfreiwillige Reise durch die Wohnung antritt.
Das beugt auch späteren Brüchen vor.

Sollte sich herausstellen, dass die Feder gebrochen ist und keine Möglichkeit besteht, eine neue Feder einzusetzen,
(und nur dann), kann man folgendes versuchen:


Ein weggebrochener Endhaken lässt sich neu biegen (1), indem man das Ende rotglühend anlässt und vorsichtig umbiegt, das muss aber in mehreren Schritten erfolgen, also wieder glühen, wieder biegen usw., da sonst das Ende wegbricht. Für einen besseren Halt empfiehlt es sich, anschliesend ein vorbereitetes Stück Feder in den Haken einzuschieben (2).
Ist die Feder mittig gebrochen, kann man sie auf die gleiche Art gegenläufig biegen und zusammenfügen (3), das aber nur als Provisorium! Uhrmacher mögen mir verzeihen, aber es funktioniert, ich habe das in alten Uhren gesehen, die zu Zeiten repariert wurden, als es absolut keine Ersatzteile gab.

Werk-Vorderseite-unter Zifferblatt
 



Das Ausbauen der Unruh muss mit äusserster Vorsicht geschehen! Die Schraube am Unruhkloben entfernen und den Kloben sanft aus der Arretierung heben. Beim Herausnehmen des Klobens mit Unruh unbedingt darauf achten, dass die Spirale nur knapp auseinandergezogen wird, wenn man Glück hat, bleibt dabei sogar die Endkurve der Unruh im Spiralschlüssel. Das spätere Einlegen bei der Montage erfordert einige Übung!

 
Dann kann gereinigt werden. Dazu gibt es verschiedene Lösungen, auch vom Handel.
Sehr gut eignet sich Wugaform mit dest. Wasser verdünnt in einem Ultraschallreinigungsgerät.
Habe vieles ausprobiert und bin beim einfachen Waschbenzin geblieben. Es nimmt alte Ölreste gut auf und trocknet schnell.
Aber: Für Werk und Unruh immer neues Mittel verwenden! Für Federhaus und Feder kann man schon einmal
die Reste von der Werkreinigung verwenden.
Lager und Lagersteine sowie Triebe können mit Putzhölzern leicht von hartnäckigem Schmutz befreit werden.



Die Feder beim Reinigen nie der Länge nach durch ein Tuch ziehen, sie verliert dadurch ihre Grundspannung und spätere Bruchstellen sind vorprogrammiert.

Und jetzt kein Uhrmacherprotest: Ich benutze zum Reinigen einen feinen Aquarellpinsel, das hat sich bewährt, man muss aber bedenken, dass ein einziges zurückgebliebenes Haar ein ganzes Uhrwerk zum Stehen bringen  kann!
Also immer noch einmal mit der Lupe kontrollieren!
Noch ein Tip: Niemals Spiritus oder andere alkoholhaltige Mittel verwenden! Die Ankerpaletten und Hebelstifte wurden früher meist mit Schellack befestigt, und der löst sich im Alkohol auf!


 
Die Ölung:
 NadelNur spezielles Uhrmacheröl verwenden! Andere Öle verharzen zu leicht, sind säurehaltig oder zu zähflüssig!
Man kann sie kaufen, u.a. bei "Selva" oder aber beim Uhrmacher ein wenig abzweigen, Sie sind zwar recht teuer,
aber da grundsätzlich nur sparsam geölt wird, reichen sie sehr lange.
Geölt werden:
Die Zugfeder, alle Lagerbuchsen, die Zähne des Ankerrades bzw. des Zylinderrades bei Zylinderhemmungen,die Hebel und Kupplungsteile des Aufzuges.
Die Zähne der Triebe werden nicht geölt!
Verwendet zum Ölen wird ein spezieller Ölgeber, den kann man sich aber auch selbst herstellen, indem man eine feine Nähnadel etwas an der Spitze ausglüht und dann die Spitze ganz leicht flachschlägt, das verhindert das Hochfliessen des Öles an der Nadel

Das Werk montieren:

Nachdem die Zugfeder ein paar Tröpfchen Öl erhalten hat, werden Federhaus und Federhausbrücke wieder eingebaut.
Bevor die Unruh wieder eingebaut wird ist es günstig:
den Anker herauszunehmen, die Uhr leicht aufzuziehen und den glatten Lauf der einzelnen Triebe zu kontrollieren.
Weitere Fehler werden dadurch ausgeschlossen.


Die Unruh mit Anker und Ankerrad ( Hemmrad ) ist wohl das wichtigste Bauelement der Uhr, aber leider auch das Empfindlichste.
Defekte lassen sich hier als Laie sehr schwer selbst beheben, es sei denn, man hat einen erfahrenen Uhrmacher an der Hand, der Hilfe und Unterstützung gibt, und natürlich hier und da ein Ersatzteil. Deshalb möchte ich hier nicht auf Details eingehen, bis auf ein paar ausgewählte Beispiele. Auf Anfrage unter Umständen mehr
!

Häufig auftretende Fehler sind:

-
gebrochene Spirale, da hilft nur ein neues Teil
- ein Lagerzapfen gebrochen, entweder muss die gesamte Welle gewechselt werden, bei Zylinderwellen ist der          
   Austausch eines Tampons möglich, das sollte man aber dem Uhrmacher überlassen.



Tampon mit defektem Zapfen ausschlagen:
Dazu habe ich mir aus einem 0,5 mm starken Stück Federstahl einer Grossuhrfeder einen Ausschläger gefertigt. Die defekte Welle wird dazu recht fest in ein Stiftenlöbchen gespannt
und der defekte Tampon kann heraugeschlagen werden.

Maße: etwa 30 X 5 mm



- ein Zapfen ist etwas verkürzt und die Unruh hat zuviel Spiel: Hier kann man versuchen , den Unruhkloben
  etwas herunterzurichten, indem man zwischen Schraube und Werkrand etwas dünnes Blech unter den Kloben
  legt. Dies ist zwar nicht seriös, kann aber helfen.
- der Unruhreif "schlägt", d.h. er steht nicht genau horizontal zur Welle: dadurch ist es möglich, das der Reif an anderen
  Werkteilen Reibung hat. Das kann man richten, dazu muss aber die Unruhspirale abgenommen werden.
  Dazu wird die Spiralrolle mit einem kleinen gesch
ärften Schraubendreher von der Welle gehebelt.
   Besser natürlich mit zwei Werkzeugen von zwei Seiten, aber das erfordert Übung!


Das muss allerdings sehr vorsichtig geschehen, einmal abgerutscht und die Spirale ist hin!!
Noch besser lässt sich die Spiralrolle mit einem Werkzeug abheben, das ich mir aus einem alten Zahnarztinstrument selbst hergestellt habe, anbei zugleich ein Instrument zum Richten des Abfalls über die Spiralrolle.






Anschliessend spanne ich die Unruh in einen "Rundlaufzirkel", (beim Uhrmacher erfechten), dann lässt sich der Reif eigentlich mühelos mit einer kleinen Zange oder Pinzette richten, aber nur an den Schenkeln arbeiten!



- die Unruhspirale ist "verwirrt:
  Das kommt leider viel zu oft vor.Wenn die Windungen nicht richtig liegen, Kontakt haben o.ä. ist es mit dem
  richtigen Lauf vorbei. Da es oft schwierig ist , eine neue passende Unruhspirale zu bekommen, hilft hier nur
  Geduld und ein ruhiges Händchen, dann lässt sie sich meist noch einmal richten.



Links eine perfekte Breguetspirale (aufgebogene Endkurve ), rechts eine völlig verhedderte Spirale.
Sie lässt sich mit Geduld wieder richten.
Zunächst befestige ich sie mit einem kleinen Schräubchen durch die Spiralrolle auf
einer glatten weissen Holzunterlage,
um einen sicheren Halt zu garantieren.
Wichtig sind zwei gute feine Pinzette, mit denen die Windungen von aussen beginnend
wieder gerichtet werden.
Für bestimmte Schäden habe ich mir zwei "Spezialpinzetten" angefertigt, die hin und wieder
gute Dienste leisten.



 
Frontalblick auf die Pinzetten




Endkurve biegen(Breguetspirale)
Eine der schwierigsten Übungen überhaupt! Gestandene Uhrmacher halten sich da eher bedeckt. Aber manchmal wird es notwendig, zum Aufbau einer neuen Unruh auch diesen Schritt zu wagen.
Wichtig: Die Uhr ist nur dann für eine Breguetspirale vorgesehen, wenn der Ansteckpunkt und Spialschlüssel im inneren Drittel des Unruhdurchmessers liegen!
Alte Uhrmacherliteratur zeigt sehr verschiedene Möglichkeiten zum Aufbiegen einer Endkurve,
ich gehe dabei wie folgt vor:

- etwa zwei Drittel vom geplanten Ansteckpunkt wird der äussere Umgang der Spirale mit einer
  Kornzange senkrecht gehalten, im Abstand von ca. 2 mm greift eine zweite Kornzange
  im Winkel von 45 Grad die Spirale, dann wird leicht nach innen aufgebogen.



- das Ergebnis sollte so aussehen:



- danach wird die Kornzange etwa 2 mm neben der Biegung in Richtung Spiralende
  erneut angesetzt, aber im entgegengesetzten Winkel:


  - die Spirale wird wieder nach unten gebogen, um eine parallele Lage zu den übrigen
    Umgängen zu erhalte.




Der Erfolg wird sich nicht gleich einstellen, es ist günstig, mit Spiralresten zu üben.

Zylinderrad wechseln:
Ein defektes Zylinderrad auswechseln kann sich unter Umständen schwierig gestalten.
Neben der Passgenauigkeit - Durchmesser, passender Zylinder, Höhe des Triebes-
muss auch der glatte Durchlauf durch den Zylinder gesichert sein.
Für die Auswahl der richtigen Grösse hilft eine Maßpalette, die auch die jeweilige Bohrung für den passenden Zylinder aufweist:


 
Ist der Durchlauf trotz richtiger Grösse nicht gegeben,
muss das Zylinderrad hoch- bzw. runtergerichtet werden. Um das gefahrlos zu erreichen,
benutze ich zwei Stempel, die jeweils konkav und konvex gekrümmt sind:


In die Nietbank eingespannt, dazwischen das Zylinderrad, lässt es sich ohne Schaden in die richtige Durchlaufhöhe richten.



Vorsicht:
Durch das Hoch- bzw. Runterrichten verringert oder vergrössert sich der Zahnabstand und gefährdet eventuell den Eingriff in den Zylinder!!


Unruhwelle drehen:
Ich spreche hier ausdrücklich den Laien an, der mutig genug ist, etwas zu versuchen!
Natürlich ist es das Normale, auf einer Drehbank mit allen erforderlichen Materialien und den entsprechenden Fertigkeiten zu arbeiten. Im Notfall geht es auch anders:
Notwendig ist eine kleine elektrische Handmaschine, die exakt rund läuft, diverse feilen, günstig diamantbeschichtete und enstprechender Stahl.
Es gibt ihn vorgefertigt, gebläut und muss dann bis zur Weissfärbung angelassen werden.
Sehr gut eignen sich aber alteTriebwellen von Wand- oder Tischuhren.
 
 

Das benötigte Teil abtrennen und in die Maschine spannen, dann braucht es nur noch eine ruhige Hand und gute Augen.




Dann wenden und die andere Seite bearbeiten.

Das fertige Teil kann dann im Zapfenrollierstuhl noch weiter bearbeitet und verfeinert werden.
Allemal besser ist eine kleine  Maschine mit Bohrständer, sie ersetzt keine Drehbank, aber Kleinteile lassen sich hiermit problemlos anfertigen.



Spiralschlüssel defekt
Sollte der Spiralrückerstift am Spiralschlüssel weggebrochen sein, kann man wie folgt vorgehen:
Zunächst den Rückerzeiger ausbauen und mit der unteren Seite nach oben auf ein kleines Nietbänkchen legen. Mit einem kleinen Flachbunzen wird der Reststift nach unten ausgeschlagen. Es empfiehlt sich, das freigewordene Loch mit einer Reibahle von der Oberseite her etwas aufzureiben, um einen kleinen Konus zu erhalten.




Dahinein wird ein entsprechender Messingstift eingepasst, meistens eigenet sich dazu ein Stift zum Feststecken der Unruh.



Beide Teile werden nach unten in ein entsprechendes Loch des Nietbänkchens gelegt und der Stift mit vorsichtigen Schlag soweit nach unten getrieben, bis er festsitzt.
Anschliesend werden die überstehenden Teile bis auf die erforderliche Länge abgeschliffen
und gegebenenfalls poliert.






Noch einmal Pinzetten:

Defekte Pinzetten, deren Neuschliff nicht mehr lohnt, nicht wegwerfen!
Sie lassen sich zu manchmal unentbehrlichen Werkzeugen umarbeiten!
Hier ein Beispiel eine umgearbeitete Pinzette zur Aufnahme und
Halterung von Hebelrollen:






Hier eine vorn abgesägte und nach innen gebogene Pinzette zum
Herunterschlagen von Hebelrollen







 

Pinzette zur Halterung von Vorsteckstiften





Lagerzapfen ersetzen:
Problemreich wird es, wenn abgebrochene Lagerzapfen ersetzt werden müsssen. In der Regel geschieht das mittels Drehstuhl, es gibt aber auch ein einfacheres Gerät, das sich recht ordentlich bedienen lässt:





Dazu wird der verbliebene Wellenzapfen znächst plan gefeilt und leicht angelassen.
Dann wird in der entsprechenden Stärke das Loch für den neu aufzunehmenden Zapfen gebohrt.




Bohrloch in einem Hemmrad



Das neue Zapfenstück sollte auf dem Drehstuhl gefertigt werden, geht aber auch von Hand mit einem Elektrogerät.



Neu eingesetzter Zapfen







 
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